Hausbesetzer

Randale gegen Leerstand

Buch und Regie Ute Bönnen und Gerald Endres
Kamera Thomas Walther
Schnitt Christopher Kaps
Redaktion Lisa Borgemeister
Produktion doc.station
Erstaustrahlung 9.7.2016 in ZDFinfo
Länge 45 min

Inhalt:

Heftige Straßenschlachten eschütterten ab Dezember 1980 West-Berlin. Grund war die Bau- und Wohnungspolitik. Tausende Mietshäuser standen leer und verrotteten, während heftige Wohnungsnot herrschte. Das war so gewollt, weil die Politik auf Abriss und Neubau setzte. Doch dagegen wurden immer mehr Häuser besetzt, in wenigen Monaten waren es über 160, und immer wieder brach heftige Randale aus, wenn die Polizei gegen die Besetzer vorging.

Darüber stürzte der SPD-Senat, es gab Neuwahlen, und der neue CDU-geführte Senat setzte schließlich auf gewaltsame Räumungen. Im September 1981 starb dabei der 18-jährige Klaus-Jürgen Rattay. Es folgten langwierige Verhandlungen. Schließlich wurden rund 80 Häuser legalisiert, die Besetzer bekamen Verträge und verwalten bis heute ihre Häuser selbst.

Doch die Berliner Ereignisse waren kein Einzelfall. Schon Anfang der siebziger Jahre wurden in Frankfurt Häuser besetzt, weil im Westend Mieter aus den Häusern verdrängt wurden, um nach dem Abriss Büropaläste zu bauen. Schon damals gab es heftige Straßenschlachten, und den militanten Kampf gegen diese Vertreibungspolitik führten vor allem die Frankfurter Spontis, unter ihnen Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit.

Als der Frankfurter Häuserkampf schon Geschichte war, und in Berlin Szene allmählich befriedet wurde, brach ein neuer Konflikt um die Hamburger Hafenstraße aus, der zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führte, nur mühsam beruhigt werden konnte und bis heute immer wieder zu Auseinandersetzungen führt.

Die Besetzungen haben immer wieder die Wohnungspolitik verändert. In Frankfurt blieben viele Stadtvillen im Westend stehen, allerdings werden sie heute meistens von noblen Büros benutzt, und nicht von den Mietern, wie die Besetzer damals wollten. In Berlin haben die Besetzungen dazu geführt, dass viel der Altbausubstanz erhalten wurde und Kreuzberg noch immer ein Szene-Viertel ist. Die Häuser an der Hamburger Hafenstraße sind heute noch immer manchem Bürger ein Dorn im Auge, aber gleichzeitig sind sie eine Attraktion bei jeder Stadtrundfahrt.