Das Blaubeer-Mariechen

Wenn Frauen morden

Buch und Regie Ute Bönnen und Gerald Endres
Kamera Vladimir Subotic
Friedemann Rehse
Schnitt Alex Fisch
Redaktion Hans-Jürgen Börner (NDR)
Produktion doc.station
Länge 45 min

Der Film ist Teil einer Reihe des NDR.

Inhalt:

Eine Frau mittleren Alters geht 1983 in Kempen am Niederrhein zu ihrem Anwalt. Sie will sich von ihrem Mann zu trennen, und jetzt hat sie Angst. Die Schwiegermutter hätte ihr gedroht, es könne ihr so ergehen wie ihren Männern, und die hätte die Schwiegermutter vergiftet. . Der Anwalt zieht die Krimonalpolizei hinzu. Die Beamten denken zunächst , dass die Frau nur ihre Familienstreitigkeiten mit Hilfe der Polizei austragen will, denn die Geschichte scheint reichlich unglaubwürdig. Die zwei gestorbenen Ehemänner und ein Lebensgefährte waren alle alt und krank gewesen, der Hausarzt hatte einen natürlichen Tod bescheinigt.Allerdings ist da auch die Rede von einer gefälschten Unterschrift des letzten Ehemanns bei der Bank, und das kann man einfach nachprüfen. Eine Untersuchung der Unterschrift ergibt: Sie ist tatsächlich gefälscht. Nur sehr widerstrebend stimmt der Staatsanwalt einer Exhumierung des Toten zu, und tatsächlich findet der Toxikologe im Magen der Leiche Reste von Thiophosphorsäure, des Wirkstoffs in dem bekannten Pflanzengift E 605. Die Verdächtige wird vorgeladen, eine biedere alte Frau, bekannt als gute Mutter von sechs Kindern. Nach längerem Verhör gesteht sie, zwei Ehemänner und einen Lebensgefährten mit Gift umgebracht zu haben. Neun Tage später legt sie überraschend nach und macht reinen Tisch: Anfang der 60er Jahre hat sie schon ihren Vater mit vergiftetem Blaubeer-Pudding umgebracht, als der tyrannische Mann zum Pflegefall wurde und ihr Familienleben bedrohte. Genauso erging es später einer allein stehenden Tante, die die Mörderin in die Familie aufgenommen hatte. Als die Frau pflegebedürftig wurde, musste sie sterben.Der Fall erregt großes Aufsehen. Im Sommer 1983 steht das "Blaubeer-Mariechen" in Krefeld vor Gericht und wird zu zweimal lebenslänglich lebenslänglich plus 15 Jahren verurteiltWir haben hier den klassischen Fall einer Giftmordserie, begangen von einer Frau. Frauen töten meistens aus einer Situation der Schwäche heraus, um sich oder ihre Familie in einer als unerträglich empfundenen Situation zu schützen. Hat die Tat Erfolg, weil sie unentdeckt geblieben ist, wird die Verlockung groß, den scheinbar so einfachen Weg der Konfliktlösung erneut zu beschreiten. Zudem erlebt eine Frau, die sich immer als schwach und als Opfer empfunden hatte, beim Morden ein Gefühl der Macht: Sie wird zu Herrin über Leben und Tod in ihrem Umfeld. Maria Velten war als Mörderin sehr erfolgreich. Der Tatzeitraum erstreckt sich über zwanzig Jahre. Die Barrieren bei der Aufdeckung von Giftmorden werden an diesem Fall besonders deutlich, und das Versagen einer sozialen Kontrolle. Die Umwelt der Mörderin sah nichts oder wollte nicht sehen, was da geschah.

Manuskript des Films (←Klick)