Eine Zeitung gegen Hitler (AT)

Die Münchener Post

Buch und Regie Ute Bönnen und Gerald Endres
Kamera Jesse Mazuch
Schnitt Christopher Kaps
Redaktion
Produktion
Erstaustrahlung
Länge 45 min

München 1920. Es sieht zunächst aus wie ein lokaler Zwist. Die Münchener Post, eine traditionsreiche sozialdemokratische Zeitung, schießt sich auf den Führer einer der vielen rechten Gruppierungen und Parteien in München ein, einen Österreicher namens Adolf Hitler.

Viele fragen sich, was diese intensive Beschäftigung mit dem Anführer einer kleinen Gruppe von Schlägern und Spinnern soll, doch die Münchner Post unter dem Chefradakteur Erhard Auer ist der Meinung, dass dieser Mann brandgefährlich ist. Die Aktivitäten der "Post" bleiben nicht unbemerkt. Ein heftiger Kleinkrieg beginnt. Unzählige Prozesse zwischen der "Post" und den Nazis werden angestrengt. Es häufen sich Anschläge gegen die Zeitung und persönliche Drohungen gegen ihre Redakteure wie Martin Gruber und den Chefredakteur Auer. Dieser erste Spannungsbogen des Films erreicht seinen Höhepunkt im November 1923: Hitler putscht in München. Der "Stoßtrupp Adolf Hitler" stürmt die Redaktionsräume der von Hitler so genannten "Giftküche Münchener Pest" und verwüstet sie. Doch der Putsch scheitert mit dem Feuergefecht bei der Feldherrnhalle. Die "Post" scheint gesiegt zu haben: Jetzt kann jeder wissen, wie gefährlich Hitler ist, seine Partei wird verboten, ihr Führer sitzt im Gefängnis.

Docg die rechtsnationale Justiz geht äußerst milde und verständnisvoll mir Hitler um. Er ist bald wieder auf freiem Fuß und von nun an der unbestrittene Anführer der rechtsradikalen Demokratiegegner. Die Münchener Post nimmt den Kampf wieder auf. Sie spürt all den kleinen und großen Skandalen um Hitler und seinen Anhängern hinterher, bis hin ins Private. Zum Beispiel greift sie den Tod von Geli Raubal auf. Raubal war Hitlers Mündel und wohnte mit in seiner Wohnung. Ihre plötzliche Selbsttötung und die Berichterstattung der Münchener Post darüber sollen nach Berichten von Zeitzeugen Hitler an den Rand des Selbstmords gebracht haben.

Doch der Kampf der Münchener Post geht nach der Machtübergabe an Hitler am 30. Januar 1933 dem Ende zu. Noch ist offen, wie brutal seine Diktatur sein wird, Die Münchener Post erscheint weiter, aber sie richtet sich auf Widerstand ein. Die Redakteure der "Post" führen in diesen letzten Wochen einen aussichtslosen Kampf, aber Auer titelt trotzig: "Wir lassen uns nicht einschüchtern". Am 9. März stürmt ein Kommando SA-Leute die Zeitung. Wieder verwüsten sie die Redaktionsräume, und diesmal ist die Zerstörung endgültig. Die Redakteure werden verhaftet und erhalten Berufsverbot.


Die Münchener Post am 3.3.1933