Madonna oder Mörderin

Wenn Frauen morden

Buch und Regie Ute Bönnen und Gerald Endres
Kamera Vladimir Subotic
Friedemann Rehse
Schnitt Alex Fisch
Redaktion Hans-Jürgen Börner (NDR)
Produktion doc.station
Länge 45 min
Inhalt:

Seit November 1946 wird in Elmshorn der ehemalige Seemann John Blaue vermisst. Seine Frau Ruth Blaue erklärt, er sei in die Sowjetisch Besetzte Zone gefahren, um einen Lastwagen zu besorgen, und von da nicht mehr zurückgekehrt. Das ist ein Vermisster mehr in diesen unruhigen, chaotischen Zeiten. Erst Jahre später wird sich herausstellen, dass John Blaue ermordet wurde.

Der Fall Ruth Blaue in der ARD-Reihe "Wenn Frauen morden" ist sehr typisch für die unmittelbare Nachkriegszeit. Nach langer Trennung kamen die Männer aus dem Krieg zurück, vielfach körperlich und seelisch versehrt, -und vieles war nicht mehr so wie früher. Die Paare hatten sich entfremdet, Frauen hatten sich in Kriegs- und Nachkriegsnot allein durchschlagen müssen und wollten ihre neue Selbständigkeit nicht aufgeben. Es kam zu Ehedramen, die Scheidungsrate stieg steil an.

Ruth Blaue war eine attraktive, extravagante Frau aus guter Familie, doch ihr Lebenslauf zeigte früh Brüche. Eine erste Ehe in den 30ern wurde nach kurzer Zeit geschieden. Wegen Betrugs muss sie für kurze Zeit ins Gefängnis, angeblich ging sie auch auf den Strich.
Dann lernt Ruth Blaue in Hamburg den Seemann John Blaue kennen. Er bleibt an Land und eröffnet eine Spedition, Ruth erledigt die Büroarbeit. Doch das bleibt nicht lange so. Bei Kriegsbeginn werden John Blaue eingezogen und der Lkw beschlagnahmt. Das Paar heiratet noch schnell, dann müssen beide eigen Wege gehen.

Das ändert sich zunächst auch nicht, als der Krieg zu Ende ist. John Blaue räumt im Auftrag der Briten Minen in der Nord- und Ostsee. Ruth Blaue eröffnet in der Kleinstadt Elmshorn die "Blaue Stube". Der Laden ist Buchladen, Leihbücherei und Galerie zugleich. Schnell wird die "Blaue Stube" zu einem Zentrum für Künstler und Kunstinteressierte. Und da lernt Ruth Blaue auch den jungen Horst Buchholz kennen einen ehemaligen Jagdflieger, der sich als Bildhauer und Holzschnitzer durchzuschlagen versucht. Ruth Blaue bietet ihm an, in ihre Wohnung einzuziehen, bevor in der von Flüchtlingen überfüllten Stadt jemand vom Amt eingewiesen wird. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung.

Doch dann kommt John Blaue zurück. Die kulturellen Neigungen seiner Frau teilt der lebenslustige Seemann nicht. Er will, dass Ruth Blaue die "Blaue Stube" aufgibt, um mit dem frei werdenden Geld wieder eine Spedition zu eröffnen. Nach dem damals noch geltenden Eherecht aus Kaisers Zeiten hat er als der Mann auch das Recht, das durchzusetzen, und eine Scheidung ist auch nicht möglich, wenn ein Partner nicht einwilligt und sich nichts zuschulden kommen lässt. John Blaue will die Ehe weiterführen.

Jetzt wohnen das Ehepaar und der Liebhaber der Frau auf engstem Raum zusammen. Auf Dauer ist das eine unerträgliche Situation, doch dann ist John Blaue über Nacht verschwunden. Im folgenden Sommer wird in einem nahen Badeteich die verweste Leiche eines Erschlagenen gefunden, doch Ruth Blaue erklärt, das könne nicht ihr Mann sein. Der Fall des Vermissten wir da als unaufgeklärt zu den Akten gelegt.

Jahre später nimmt sich der Leiter der Mordkommission in Itzehoe die ungeklärten Fälle aus der Nachkriegszeit vor, und in kriminalistischer Kleinarbeit findet er heraus: Der Tote aus dem See muss doch John Blaue sein, Ruth Blaue und ihr Liebhaber sind die Täter. Die beiden werden verhaftet, und nach kurzer Zeit verstricken sie sich in eine Vielzahl unterschiedlicher Geständnisse. Mal belasten sie einander, wenn es um das Geschehen in der Tatnacht geht, mal nimmt jeder alle Schuld auf sich.

Doch kurz vor dem Prozess begeht Horst Buchholz in seiner Zelle Selbstmord. Ruth Blaue versucht nun, ihm die Tat zuzuschieben, doch von ihren vielen Geständnissen kommt sie nicht mehr herunter. Das Schwurgericht, nur Männer, verurteilt Ruth Blaue 1955 wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes zu lebenslänglich Zuchthaus. Erst als Todkranke kommt sie wieder in Freiheit und stirbt 1972.

Manuskript des Films (←Klick)