Stalin und die DDR (AT)

Buch und Regie Ute Bönnen und Gerald Endres
Redaktion Jens Stubenrauch, rbb
Ulrike Gerster, rbb
Produktion Ute Bönnen - Gerald Endres
Filmproduktion
Länge 45 min
Sendung 2020
Inhalt:

Bei Stalins Tod überschlugen sich die Trauerbekundungen und das Lob des "größten Genius der Epoche". Groß war aber auch die Hoffnung, das stalinistische System werde mit ihm untergehen, doch vorläufig änderte sich nicht viel. Die SED-Führung hielt an Stalin als "Klassiker in der Reihe Marx-Engels-Lenin-Stalin fest. Gab es neben dem Druck der Diktatur auch eine tatsächliche Verehrung für das alles bestimmende "väterlichen Stalin", trotz seiner offenkundigen Verbrechen? Der XX. Parteitag der KPdSU brachte die SED-Führung dann in eine schwierige Lage. Gerade Walter Ulbricht war ein Produkt des Stalinismus. Jetzt rang Ulbricht sich zu der Erklärung durch, Stalin sei kein marxistischer Klassiker. Chruschtschows noch immer halbherzige Darstellung der Verbrechen unter Stalin wurde ein Schock für viele gläubige Kommunisten. In der DDR wurde die Rede zunächst geheim gehalten und dann auf die Kritik am "Personenkult" reduziert, den es in der DDR angeblich gar nicht gegeben habe. Die Verunsicherung der ersten Zeit nach dem XX. Parteitag wird jedoch erkennbar in milderen Verurteilungen und mehreren Amnestien sowie Rehabilitierungen. Aber nach den antistalinistischen Aufständen in Polen und Ungarn wurde die Schraube wieder angezogen - und die Stalin-Denkmäler, Stalinallee und Stalinstadt kündeten noch immer vom Ruhm des Diktators. Die offizielle Verehrung Stalins stand noch immer für den ausschließlichen Machtanspruch des Kommunismus.

Kaum bekannt ist die viel weitergehende "Entstalinisierung" im Jahr 1961. Chruschtschow hatte im innerparteilichen Machtkampf erneut Stalin kritisiert. Für die DDR-Führung war das ein Linienschwenk, den man selbstverständlich nachvollziehen musste. Innerhalb weniger Tagen verschwanden die letzten Stalinporträts, wurden alle Straßen und Betriebe umbenannt, hieß Stalinstadt plötzlich Eisenhüttenstadt. Stalin verschwand aus der Öffentlichkeit, doch vereinzelte Versuche, das als tatsächliche politische Öffnung zu interpretieren, wurden schnell abgewürgt, und gerade bei Hardlinern blieb die Erinnerung an die Zeiten, als man mit Feinden noch umspringen konnte, "wie sie es verdienten".

Die Verrenkungen der kommunistischen Linie sollen das Gerüst des Films bilden. Wie gingen nicht nur Kommunisten mit den Schwenks um? Wie verhielten sich Schüler, Studenten und "normale" Bürger, wenn heute nicht mehr galt, was gestern noch unumstößliche Wahrheit war? Welche Hoffnungen waren mit der schrittweisen und unvollständigen Entstalinisierung verbunden?